Mittwoch, 14. August 2013

Der Winter (Weihnachtsgedicht)

von Matthias Claudius

Der Winter ist ein rechter Mann,
kernfest und auf die Dauer;
Sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an.
Er scheut nicht süß noch sauer.

Wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht
und Teich und Seen krachen;
Das klingt ihm gut, das haßt er nicht,
dann will er sich todlachen.-

Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus
beim Nordpool an dem Strande;
Doch hat er auch ein Sommerhaus
im lieben Schweizerlande.

Da ist er denn bald dort, bald hier,
gut Regiment zu führen,
und wenn er durchzieht, stehen wir
und sehn ihn an und frieren.

Matthias Claudius (1740-1815)

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