Sonntag, 17. November 2013

Christnacht (Weihnachtsgedicht)

von Robert Prutz 

Heil'ge Nacht, auf Engelsschweigen
nahst du leise dich der Welt,
und die Glocken hör' ich klingen
und die Fenster sind erhellt.
Selbst die Hütte trieft von Segen,
und der Kindlein froher Dank
jauchzt dem Himmelskind entgegen,
und ihr Strammeln wird Gesang.

Mit der Fülle süßer Lieder,
mit dem Glanz um Tal und Höh'n,
Heil'ge Nacht, so kehrst du wieder,
wie die Welt dich einst gesehn,
da die Palmen lauter rauschten.
und, versenkt in Dämmerung,
Erd' und Himmel Worte tauschten,
Worte der Verkündigung.

Da, mit Purpur übergossen,
aufgetan von Gottes Hand,
alle Himmel sich erschlossen,
glänzend über Meer und Land,
da, den Frieden zu verkündigen,
sich der Engel niederschwang,
auf den Höhen, in den Gründen
die Verheißung wiederklang.

Da, der Jungfrau Sohn zu dienen,
Fürsten aus dem Morgenland
in der Hirten Kreis erschienen,
Gold und Myrrhen in der Hand,
da mit seligem Entzücken
sich die Mutter niederbog,
sinnend aus des Kindes Blicken
nie gefühlte Freude sog.

Heil'ge Nacht, mit tausend Kerzen
steigst du feierlich herauf,
oh, so geh in unsern Herzen,
Stern des Lebens, geh uns auf!
Schau, im Himmel und auf Erden,
glänzt der Liebe Rosenschein!
Friede soll's noch einmal werden
und die Liebe König sein!

Robert Prutz (1816-1872)

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