Samstag, 9. November 2013

Die Flucht der Heiligen Familie (Weihnachtsgedicht)

von Joseph von Eichendorff

Länger fallen schon die Schatten
durch die kühle Abendluft,
waldwärts über stille Matten
schreitet Joseph von der Kluft,
führt den Esel treu am Zügel,
linde Lüfte fächeln kaum,
's sind der Engel leise Flügel,
die das Kindlein sieht im Traum.
Und Maria schauet nieder
auf das Kind voll Lust und Leid,
singt im Herzen Wiegenlieder
in der stillen Einsamkeit.
Die Johanniswürmchen kreisen
emsig leuchtend übern Weg,
wollen der Mutter Gottes weisen
durch die Wildnis jeden Steg,
und durchs Gras geht süßes Schaudern,
streift es ihres Mantels Saum,
Bächlein auch läßt jetzt sein Plaudern
und die Wälder flüstern kaum,
daß sie nicht die Flucht verraten.
Und das Kindlein hob die Hand,
da sie ihm so Liebes taten,
segnete das stille Land,
daß die Erd' mit Blumen, Bäumen
fernerhin in Ewigkeit
nächtlich muß vom Himmel träumen
o gebenedeiete Zeit!

Joseph von Eichendorff (1788-1857)

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