Montag, 30. Dezember 2013

Neujahrslied (Neujahrsgedicht)

von Johann Peter Hebel

Mit der Freude zieht der Schmerz
Traulich durch die Zeiten.
Schwere stürme milde Weste
Bange Sorgen frohe Feste
Wandeln sich zur Seiten.

Und wo eine Träne fällt
Blüht auch eine Rose
Schon gemischt noch eh wirs bitten
ist für Throne und für Hütten
Schmerz und Lust im lose.

Wars nicht so im alten Jahr?
Wirds im neuen enden?
Sonne wallen auf und nieder,
Wolken gehn und kommen wieder,
Und kein Wunsch wird's wenden.

Gebe denn der über uns
Wägt mit rechter Waage
Jedem Sinn für seine Freunde
Jedem Mut für seine Leiden
in die neuen Tage.

Jedem auf des Lebens Pfad.
Einen Freund zur Seite,
Ein zufriedenes Gemüte
Und zu stiller Herzensgüte
Hoffnung ins Geleite.

Johann Peter Hebel (1760-1826)

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