Mittwoch, 1. Januar 2014

Epiphanias (Dreikönigsgedicht)

von Johann Wolfgang von Goethe

Die Heil'gen Drei König' mit ihrem Stern,
Sie essen, sie trinken und bezahlen nicht gern,
Sie essen gern, sie trinken gern,
Sie essen, trinken und bezahlen nicht gern.

Die Heil'gen Drei König'sind kommen allhier,
Es sind ihrer drei sind ihrer vier,
Und wenn zu dreien der vierte wär',
So wär' ein heil'ger drei König mehr.

Ich erster bin der weiß' und auch der schön',
Bei Tage solltet ihr erst mich sehn!
Doch ach mit allen Spezereien
Werd' ich sein Tag kein Mädchen mehr erfrein.

Ich aber bin der braun' und bin der lang',
Bekannt bei Weibern wohl bei Gesang.
Ich bringe Gold statt Spezerei'n,
Da werd' ich überall willkommen sein.

Ich endlich bin der schwarz' und bin der klein',
Und mag auch wohl einmal recht lustig sein.
Ich esse gern, ich trinke gern,
Ich essen, trinke und bedanke mich gern.

Die Heil'gen Drei König'sind wohl gesinnt,
Sie suche die Mutter und das Kind,
Der Joseph fromm sitzt auch dabei,
Der Ochs' und Esel liegen auf der Streu.

Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,
Dem Weihrauch sind die Damen hold,
Und haben wir Wein von gutem Gewächs,
So trinken wir drei so gut als ihrer sechs.

Da wir nun hier schöne Herrn und Frau'n,
Aber keine Ochsen und Esel schaun,
So sind wir nicht am rechten Ort
Und ziehen unseres Weges weiter fort.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

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