Freitag, 14. Februar 2014

Christkind (Weihnachtsgedicht)

von Emma Lehn

Winter ist's. Der Sommerwind zieht
hin mit düstrem Blasen,
müde schon der Abend sinkt
über Turm und Straßen.
Doch im traulichen Gemach
bei des Feuers Scheine
stört des Windes Sausen nicht
und sein trüb Gegreine.

Dämm'rung webt mit leiser Hand
drinnen dunkle Schleier,
goldne Lichter malt darauf
unser Kohlenfeuer;
an der Mutter Knie gelehnt,
hör ich's fröhlich knistern,
und dazwischen klingt so süß
meiner Mutter flüstern:

Liebling hörst du, wie der Wind
singt so wilde Lieder?
Winter naht! Nun freue dich,
Christkindlein kommt wieder!
Christkindlein, das Jesuskind
kommt vom Himmelsthrone,
dass es jede gute Kind
holt und reich belohne.

Christkindlein! Da - siehst du's nicht
an dem Fenster flimmern?
Kind! Christkindleins Flügelpaar
sah ich eben schimmern!
Da ... da ... seh ich ganz genau
seine goldnen Locken,-
und nun hör ich auch den Klang
seiner Silberglocken!-

Eben jetzt - flog es davon!
Hast du's fliegen sehen?
Ach zu wieviel Kindern muss
doch das Christkindlein gehen!
Aber sieh! Was hängt denn da?
Blitzendes Geschmeide!
Christkindlein verlor wohl gar
Gold aus seinem Kleide!

Reines lautres Himmelsgold
hat es fallen lassen.
Das kann auch gar nicht leicht geschehn,
fliegt's so durch die Gassen.
Nimm es, und bewahr es dir,
mein geliebter Knabe.
Lichtgesponnen reines Gold!
Christkinds Wundergabe!

Emma Lehn

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