Sonntag, 17. August 2014

Heilige Nacht (Weihnachtsgedicht)

von Eduard Mörike

Gesegnet sei die Heilige Nacht,
Die uns das Licht der Welt gebracht!-

Wohl unterm lieben Himmelszelt,
Die Hirten lagen auf dem Feld.

Ein Engel Gottes, licht und klar,
Mit seinem Gruß tritt auf sie dar.

Vor Angst sie decken ihre Angesicht,
Da spricht der Engel: "Fürch't euch nicht!

Ich verkünd' euch grosse Freud:
Der Heiland ist euch geboren heut."

Da gehn die Hirten hin in Eil',
Zu schaun mit Augen das ewig Hei,

Zu singen dem süßem Gast Willkomm,
Zu bringen ihm ein Lämmlein fromm-

Bald kommen auch gezogen fern
Die Heil'gen Drei König' mit ihrem Stern.

Sie knien vor dem Kindlein hold,
Schenken ihm Myrrhen, Weihrauch, Gold.

Vom Himmel hoch der Engel Heer
Frohlocket: "Gott in der Höh' sei Ehr'!"

Eduard Mörike (1804-1875)

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