Mittwoch, 1. Oktober 2014

Der erste Schnee (Weihnachtsgedicht)

von Friedrich Güll

Ei, du liebe, liebe Zeit,
ei, wie hat's geschneit, geschneit!
Rings herum, wie ich mich dreh,
nichts als Schnee und lauter Schnee.

Wald und Wiesen, Hof und Hecken,
alles steckt in weißen Decken!
Und im Garten jeder Baum,
jedes Bäumchen voller Flaum!
Auf dem Sims, dem Blumenbrett
liegt er wie ein Federbett!
Auf den Dächern um und um
nichts als Baumwoll' rings herum.
Und der Schlot vom Nachbarhaus,
wie possierlich sieht der aus:
Hat ein weißes Müllerkäppchen,
hat ein weißes Müllerjöppchen!
Meint man nicht, wenn er so raucht,
daß er just sein Pfeiflein schmaucht?

Und im Hof der Pumpenstock
hat gar einen Zottelrock,
Und die pudrige Perücke
und den Haarzopf im Genicke
und die ellenlange Nase
geht schier vor bis an die Straße!
Und gar draußen vor dem Haus! -
Wär' nur erst die Schule aus!
Aber dann, wenn's noch so stürmt,
wird ein Schneemann aufgetürmt,
dick und rund und rund und dick,
steht er da im Augenblick.
Auf dem Kopf als Hut' nen Tiegel
und im Arm den langen Prügel
und die Füße tief im Schnee:
Und wir ringsherum, juhe!
Ei, ihr lieben, lieben Leut',
was ist heut' das eine Freud'.

Friedrich Güll (1812-1879)

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